Schaufenster in die Werkstatt

In der Hoffeldstraße in Düsseldorf-Flingern bleiben Passanten regelmäßig stehen. Hinter der großen Schaufensterscheibe sitzt Tabea Kamper an ihrer Werkbank, sägt, feilt und poliert. Wer hier vorbeigeht, kann Goldschmiedehandwerk live erleben. Seit Mitte 2024 betreibt die 30-jährige Goldschmiedin hier ihr Atelier Goldfisch.

Schaufenster in die Werkstatt

In der Hoffeldstraße in Düsseldorf-Flingern bleiben Passanten regelmäßig stehen. Hinter der großen Schaufensterscheibe sitzt Tabea Kamper an ihrer Werkbank, sägt, feilt und poliert. Wer hier vorbeigeht, kann Goldschmiedehandwerk live erleben. Seit Mitte 2024 betreibt die 30-jährige Goldschmiedin hier ihr Atelier Goldfisch.

Auf einen Blick

Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete Tabea als angestellte Goldschmiedin. Mit zwei Kindern im Grundschulalter war der klassische Arbeitsalltag allerdings immer weniger mit dem Familienleben vereinbar. „Für mich war irgendwann klar: Wenn ich diesen Beruf weiter ausführen möchte, muss ich etwas eigenes machen.“ Zunächst richtete sie sich eine kleine Werkbank in der Abstellkammer ihrer Wohnung ein und fertigte Schmuckstücke für Freunde und Bekannte. Dass ein eigenes Atelier entstehen würde, zeichnete sich schnell ab. Ein großer Vorteil: Tabea stammt aus Flingern und ist im Viertel gut vernetzt. Viele Freunde unterstützten sie beim Aufbau, manche wurden ihre ersten Kunden.

„Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns das Wichtigste.“

– Tabea Kamper

Gründung mit viel Einsatz und wenig Kapital

Von Anfang an wollte Tabea ihre Selbstständigkeit möglichst unabhängig aufbauen. Große Kredite nahm sie daher bewusst nicht auf. Zum Start standen gerade einmal 3.000 Euro zur Verfügung. Einen wichtigen Baustein bildete der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Dafür brauchte Tabea einen Businessplan, Planungsrechnungen und die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle. „Nachdem ich mit einer vorherigen Beratung unzufrieden gewesen war, wandte ich mich an die Betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer Düsseldorf. Dort wurden alle für den Zuschuss erforderlichen Unterlagen noch einmal genau geprüft, optimiert und die geforderte Stellungnahme ausgestellt“, berichtet Tabea. Die Arbeit hat sich gelohnt und Tabea erhielt den Gründungszuschuss. Sechs Monate lang wurde ihr Arbeitslosengeld weitergezahlt, zusätzlich erhielt sie einen Zuschuss für Sozialabgaben.

Neues Leben für alte Schmuckstücke

Vieles im Atelier entstand in Eigenarbeit: Werkbänke, Theke und Regale wurden selbst gebaut. Die meisten Werkzeuge hatte sie über die Jahre bereits angeschafft. Schließlich fand sie durch Zufall ein kleines Ladenlokal mit großem Schaufenster in Flingern – bezahlbar und mitten im Viertel. Genau dieses Schaufenster wurde Teil des Konzepts: Passanten können der Goldschmiedin und ihrem Team bei der Arbeit zusehen. „Dass ständig jemand reinschaut und unsere handwerkliche Arbeit beobachtet, finde ich schön“, sagt Tabea und lacht. „Aber man darf nicht zu direkt zurückschauen, dann fühlen sich die Leute ertappt.“

Fotograf/in: Lars Heidrich

Im Atelier Goldfisch entstehen vor allem individuelle Auftragsarbeiten. Häufig bringen Kundinnen und Kunden Ringe, Ketten oder sogar Uhren mit, die längst nicht mehr getragen werden. Das Material wird eingeschmolzen, neu legiert und zu modernen Schmuckstücken verarbeitet. So entstehen aus alten Erbstücken neue Ringe, Anhänger oder Ohrringe. Auch Reparaturen und Anpassungen gehören zum Alltag in der Werkstatt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beratung. Viel Zeit verbringt Tabea im Gespräch mit ihren Kunden. „Ich habe am Anfang unterschätzt, wie wichtig dieser Teil ist“, sagt sie.

„Man muss sich in die Vorstellungen der Kunden hineinversetzen, emphatisch sein.“

– Tabea Kamper

Ein kleines Team und viel Unterstützung

Unterstützt wird Tabea von ihrem Lebensgefährten Fabian. Anfangs hielt er mit seinem Einkommen dem jungen Unternehmen finanziell den Rücken frei, heute arbeitet er selbst im Betrieb mit. Er kümmert sich um Buchhaltung, Versand und Lieferantenkontakte und packt auch handwerklich mit an. „Quasi das Mädchen für alles“, sagt er schmunzelnd. Seit Dezember gehört außerdem Goldschmiedemeister Uwe zum Team, der selbst viele Jahre selbstständig war. Auch Julian, der Objektdesign an der Hochschule Düsseldorf studiert, arbeitet regelmäßig in der Werkstatt mit.

Ein Atelier, das sich herumspricht

Viel Werbung für ihr Geschäft hat Tabea bis heute nicht gemacht – oder besser gesagt: machen müssen. Die meisten Kundinnen und Kunden kommen über Empfehlungen. „Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns das Wichtigste“, sagt sie. „Manchmal werden wir schon weiterempfohlen, bevor das Schmuckstück überhaupt fertig ist.“ Für Aufmerksamkeit sorgte auch die Eröffnung: Statt einer kleinen Feier veranstaltete das Team ein Straßenfest, von dem die Nachbarschaft heute noch erzählt. Auf die Frage, ob sie den Schritt in die Selbstständigkeit jemals bereut habe, muss Tabea nicht lange überlegen: „Selbstständig zu sein bedeutet für mich, meine Arbeit so organisieren zu können, dass ich für meine Kinder da sein kann und ihnen gerecht werde“, sagt sie. „Wie könnte ich das bereuen?“

„Selbstständigkeit ist für mich Freiheit!“

– Tabea Kamper

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