Innovationsberatung: Fit für die Zukunft

Neue Technologien, digitale Werkzeuge und moderne Prozesse verändern das Handwerk rasant. Viele Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber wissen: Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich weiterentwickeln. Doch wo fängt man an? Und welche Veränderungen lohnen sich? Für das MUTIG-Magazin erläutern Hanna Middendorf und Jessica Schindhelm von der Innovations- und Technologieberatung der Handwerkskammer Düsseldorf, wie sie Handwerksbetriebe dabei unterstützen, passende Lösungen zu finden.

Innovationsberatung: Fit für die Zukunft

Neue Technologien, digitale Werkzeuge und moderne Prozesse verändern das Handwerk rasant. Viele Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber wissen: Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich weiterentwickeln. Doch wo fängt man an? Und welche Veränderungen lohnen sich? Für das MUTIG-Magazin erläutern Hanna Middendorf und Jessica Schindhelm von der Innovations- und Technologieberatung der Handwerkskammer Düsseldorf, wie sie Handwerksbetriebe dabei unterstützen, passende Lösungen zu finden.

Auf einen Blick

MUTIG: Innovation klingt für viele nach großen technischen Neuerungen oder komplizierten Zukunftsprojekten. Was versteht ihr unter Innovation im Handwerk?

Hanna Middendorf: Innovationen sind viel mehr als die Entwicklung neuer Technologien. Für uns bedeutet Innovation vor allem, etwas im Betrieb so zu verändern, dass dadurch ein Mehrwert entsteht. Das kann der Einsatz neuer Technik sein, aber genauso eine Softwarelösung oder ein neuer Ansatz im Kundenservice. Es geht darum, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, Zeit zu sparen und Fehlerquellen zu reduzieren. Was innovativ ist, ist individuell verschieden: Für den Dachdecker ist es vielleicht der Einsatz von Drohnen, für den Tischler der 3D-Druck und für andere Betriebe der KI-gestützte Telefonassistent. Auch der Einsatz nachhaltiger Materialien oder digitaler Messtechnik kann eine wichtige Veränderung sein, um ressourcenschonender und präziser arbeiten zu können. Entscheidend ist immer die Frage: Was bringt den Betrieb voran?

„Innovation bedeutet auch kontinuierliche Weiterentwicklung – nicht immer die radikale neue Idee aus dem Silicon Valley.“

– Hanna Middendorf, HWK-Innovationsberaterin

MUTIG: Viele Inhaberinnen und Inhaber haben das Gefühl, dass sie etwas verändern müssen – wissen aber nicht genau, was. Wie geht man so ein Thema an?

Jessica Schindhelm: Oft beginnt Innovation mit einer ganz einfachen Frage: Was nervt im betrieblichen Alltag am meisten? Genau dort liegt häufig das größte Verbesserungspotenzial. Der Innovationsprozess startet in der Regel mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht der Betrieb aktuell? Welche Abläufe kosten unnötig Zeit? Wo entstehen Fehler oder Abhängigkeiten? Und welche Veränderungen sind besonders dringend? Wichtig ist, aktuelle Entwicklungen und Trends im Blick zu behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Wobei Innovation kein Selbstzweck ist. Nur weil andere etwas machen, heißt das nicht automatisch, dass es zum eigenen Betrieb passt. Veränderungen müssen sinnvoll und wirtschaftlich sein.

Innovation ist, wenn es hinterher nicht mehr nervt.

– Jessica Schindhelm, HWK-Innovationsberaterin

Von Bestandsanalyse bis Förderantrag

MUTIG: Wie unterstützt die Handwerkskammer Betriebe im Innovationsprozess?

Hanna Middendorf: Viele Betriebe kommen mit einer sehr offenen Fragestellung zu uns – und das ist völlig in Ordnung. Man braucht keine fertige Idee, um eine Innovationsberatung in Anspruch zu nehmen. Wir begleiten Betriebe dabei, ihre Herausforderungen zu analysieren und konkrete Ziele zu formulieren. Gemeinsam überlegen wir: Wo soll die Reise hingehen? Welche kleinen Schritte lassen sich im Alltag realistisch umsetzen?

Dazu ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis. Ein Fliesenlegerbetrieb mit einem riesigen Lagerbestand hatte folgendes Problem: Das Lager war zwar sortiert, aber das Wissen über die spezifischen Lagerplätze der einzelnen Fliesen existierte ausschließlich in den Köpfen des Inhabers und der langjährigen Mitarbeitenden. Für die Zukunft des Betriebs – auch mit Blick auf eine spätere Betriebsübergabe – war das ein großes Risiko. Gemeinsam mit dem Inhaber entwickelten wir daher eine KI-basierte Lösung zur Digitalisierung, die zeitsparend im laufenden Betrieb erfolgen konnte. Neben dem gesicherten Wissenstransfer ermöglichte diese Art der Innovation zudem effizientere Abläufe und einen verbesserten Kundenservice.

MUTIG: Und was ist zu beachten, wenn es um Innovationen im herkömmlichen Sinne geht – also um Forschungs- und Entwicklungsarbeit?

Jessica Schindhelm: Wer eine Idee für neue Produkte und Dienstleistungen hat, sollte zunächst eine gründliche Markt- sowie Kosten-Nutzenanalyse durchführen. Darüber hinaus ist in den meisten Fällen die Kooperation mit einer Forschungseinrichtung sinnvoll. Dafür können wir Kontakte zu Hochschulen herstellen. Zusätzlich informieren wir zu Förderprogrammen und Möglichkeiten, sich Erfindungen schützen zu lassen.

Neustart als Chance für Veränderung

MUTIG: Warum lohnt es sich, besonders im Zuge einer Gründung oder Betriebsnachfolge über Innovationen nachzudenken?

Hanna Middendorf: Gründungen und Übernahmen bieten die Chance, Dinge neu zu denken. Wer mit einem eigenen Geschäftsmodell neu am Markt startet, kann moderne Prozesse oder neue Technologien direkt etablieren und langfristig sinnvoll planen. Oft ist es einfacher, neue Strukturen von Anfang an aufzubauen oder neue Technologien von Beginn an anzuwenden, als später bestehende Abläufe komplett umstellen zu müssen. Auch bei einer Übernahme sind Innovationen wichtige Impulse für die Zukunftsfähigkeit. Viele Betriebe wurden in den vergangenen Jahren nur noch eingeschränkt modernisiert oder notwendige Investitionen wurden aufgeschoben. Betriebsnachfolgerinnen und -nachfolger können mit frischen Ideen oder der Einführung neuer Technologien Veränderungen anstoßen und das Unternehmen weiterentwickeln.

„Betriebe konkurrieren nicht nur mit anderen sondern auch mit ihrer Version von gestern.“

– Jessica Schindhelm, HWK-Innovationsberaterin

MUTIG: Was würdet ihr jemandem sagen, der denkt: „Dafür habe ich gerade weder Zeit noch Budget“?

Jessica Schindhelm: Genau dann lohnt es sich oft, genauer hinzuschauen. Denn wenn im Alltag dauerhaft keine Zeit bleibt, sind Prozesse häufig nicht optimal organisiert. Wichtig ist aber: Niemand muss sofort den kompletten Betrieb umkrempeln. Innovation bedeutet nicht, alles auf einmal zu verändern. Oft reichen kleine Schritte, die sich nach und nach umsetzen lassen. Viele Verbesserungen kosten zunächst sogar wenig oder gar kein Geld – etwa, wenn Abläufe intern neu organisiert werden. Entscheidend ist, offen für Veränderungen zu bleiben und sich selbst regelmäßig zu reflektieren. Denn am Ende konkurrieren Betriebe nicht nur mit anderen – sondern vor allem mit ihrer eigenen Version von gestern.

image_print

Interessante Links

Dir hat diese Story gefallen? Teile sie mit anderen: