KI im Handwerk: Weniger Aufwand. Mehr Zeit.

Tobias Vogel, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Düsseldorf, war als Referent vor Ort und teilt im MUTIG-Magazin seine Eindrücke vom Aktionstag: Zwischen inspirierenden Vorträgen, konkreten Praxisbeispielen und offenen Diskussionen wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz längst keine Zukunftsmusik mehr ist – sie entwickelt sich zunehmend zu einem Werkzeug, das Betriebe dabei unterstützt, Zeit zu sparen, Wissen besser zu nutzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Warum KI das Handwerk bewegt

MUTIG: Tobias, welcher Gedanke aus den Vorträgen ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Tobias Vogel: Bereits die Eröffnung machte deutlich, welche Bedeutung das Thema inzwischen für das Handwerk besitzt. Unser Geschäftsführer Prof. Dr. Hennecke stellte nicht nur die Chancen heraus, die sich für einzelne Betriebe ergeben. Er richtete den Blick bewusst auch auf die Handwerksorganisation insgesamt. Künstliche Intelligenz kann dazu beitragen, Wissen besser zugänglich zu machen, Prozesse effizienter zu gestalten und die Handwerksorganisation zukunftsfähig aufzustellen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch ein Gedanke aus dem Impulsvortrag unseres Hauptreferenten, Herrn Land. Er machte deutlich, dass Deutschland gerade aufgrund seiner oft kritisierten Bürokratie über einen enormen Schatz an dokumentiertem Wissen verfügt. Über Jahrzehnte wurden Prozesse, Vorschriften und Erfahrungen umfassend festgehalten. Was bisher häufig als Belastung wahrgenommen wurde, kann durch KI plötzlich zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden. Diese Perspektive fand ich äußerst spannend, weil sie zeigt, wie aus vermeintlichen Schwächen neue Chancen entstehen können.

Vom ersten Prompt bis zum digitalen Assistenten

MUTIG: Du hast selbst praktische Anwendungen vorgestellt. Was hat deiner Einschätzung nach die Teilnehmenden besonders interessiert?

Tobias Vogel: In meinem Vortrag ging es vor allem darum, die Möglichkeiten von KI greifbar und praxisnah zu machen. Viele Betriebe hören derzeit viel über Künstliche Intelligenz, wissen aber oft nicht, wie sie konkret anfangen sollen. Deshalb habe ich gängige Anwendungen vorgestellt, die bereits heute unkompliziert im betrieblichen Alltag eingesetzt werden können – vom gezielten Prompting über die Erstellung von Angeboten und E-Mails bis hin zur Unterstützung bei Recherche- und Dokumentationsaufgaben.

Alle Beispiele bezogen sich direkt auf die tägliche Praxis im Handwerk. So konnte man schnell erkennen, dass KI vor allem dort helfen kann, wo wertvolle Zeit durch Verwaltungsaufgaben, Dokumentation oder Kommunikation gebunden wird. Genau diese nicht produktiven Tätigkeiten lassen sich häufig deutlich reduzieren.

Vom ersten Prompt bis zum automatisierten Workflow: KI wird dann spannend, wenn sie Büroarbeit reduziert und mehr Zeit für Kunden, Mitarbeitende und das Handwerk schafft.

– Tobias Vogel, HWK-Berater

Zwischen Neugier und Skepsis

MUTIG: Welche Fragen und Rückmeldungen aus dem Publikum haben dich besonders beschäftigt?

Tobias Vogel: Die abschließende Podiumsdiskussion hat gezeigt, wie intensiv sich viele Betriebe bereits mit dem Thema beschäftigen. Dabei standen nicht nur die Chancen im Mittelpunkt. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um auch kritische Fragen zu stellen. Themen wie Datenschutz, Datensicherheit, Haftung oder die Verlässlichkeit von KI-generierten Ergebnissen wurden offen diskutiert. Gleichzeitig war deutlich zu spüren, dass die meisten Betriebe nicht mehr darüber nachdenken, ob KI relevant wird, sondern vielmehr darüber, wie sie die Technologie sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen können.

Gerade dieser offene Austausch hat den Aktionstag für mich besonders wertvoll gemacht. Es ging nicht um Technik um der Technik willen, sondern um konkrete Lösungen für reale Herausforderungen im betrieblichen Alltag. Beim anschließenden Get-Together wurden die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortgesetzt. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken und zum Austausch eigener Erfahrungen.



MUTIG: Und welches Fazit ziehst du persönlich aus dem Aktionstag?

Tobias Vogel: Mein Eindruck ist eindeutig: Das Interesse an Künstlicher Intelligenz im Handwerk wächst spürbar. Gleichzeitig wünschen sich die Betriebe Orientierung und praxisnahe Unterstützung. Der Aktionstag hat gezeigt, dass KI keine ferne Zukunftstechnologie mehr ist. Sie kann bereits heute dabei helfen, Routinetätigkeiten zu reduzieren, Wissen besser zu nutzen und mehr Zeit für das eigentliche Handwerk zu schaffen. Genau darin liegt aus meiner Sicht das größte Potenzial.




Innovationsberatung: Fit für die Zukunft

MUTIG: Innovation klingt für viele nach großen technischen Neuerungen oder komplizierten Zukunftsprojekten. Was versteht ihr unter Innovation im Handwerk?

Hanna Middendorf: Innovationen sind viel mehr als die Entwicklung neuer Technologien. Für uns bedeutet Innovation vor allem, etwas im Betrieb so zu verändern, dass dadurch ein Mehrwert entsteht. Das kann der Einsatz neuer Technik sein, aber genauso eine Softwarelösung oder ein neuer Ansatz im Kundenservice. Es geht darum, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, Zeit zu sparen und Fehlerquellen zu reduzieren. Was innovativ ist, ist individuell verschieden: Für den Dachdecker ist es vielleicht der Einsatz von Drohnen, für den Tischler der 3D-Druck und für andere Betriebe der KI-gestützte Telefonassistent. Auch der Einsatz nachhaltiger Materialien oder digitaler Messtechnik kann eine wichtige Veränderung sein, um ressourcenschonender und präziser arbeiten zu können. Entscheidend ist immer die Frage: Was bringt den Betrieb voran?

„Innovation bedeutet auch kontinuierliche Weiterentwicklung – nicht immer die radikale neue Idee aus dem Silicon Valley.“

– Hanna Middendorf, HWK-Innovationsberaterin

MUTIG: Viele Inhaberinnen und Inhaber haben das Gefühl, dass sie etwas verändern müssen – wissen aber nicht genau, was. Wie geht man so ein Thema an?

Jessica Schindhelm: Oft beginnt Innovation mit einer ganz einfachen Frage: Was nervt im betrieblichen Alltag am meisten? Genau dort liegt häufig das größte Verbesserungspotenzial. Der Innovationsprozess startet in der Regel mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht der Betrieb aktuell? Welche Abläufe kosten unnötig Zeit? Wo entstehen Fehler oder Abhängigkeiten? Und welche Veränderungen sind besonders dringend? Wichtig ist, aktuelle Entwicklungen und Trends im Blick zu behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Wobei Innovation kein Selbstzweck ist. Nur weil andere etwas machen, heißt das nicht automatisch, dass es zum eigenen Betrieb passt. Veränderungen müssen sinnvoll und wirtschaftlich sein.

Innovation ist, wenn es hinterher nicht mehr nervt.

– Jessica Schindhelm, HWK-Innovationsberaterin

Von Bestandsanalyse bis Förderantrag

MUTIG: Wie unterstützt die Handwerkskammer Betriebe im Innovationsprozess?

Hanna Middendorf: Viele Betriebe kommen mit einer sehr offenen Fragestellung zu uns – und das ist völlig in Ordnung. Man braucht keine fertige Idee, um eine Innovationsberatung in Anspruch zu nehmen. Wir begleiten Betriebe dabei, ihre Herausforderungen zu analysieren und konkrete Ziele zu formulieren. Gemeinsam überlegen wir: Wo soll die Reise hingehen? Welche kleinen Schritte lassen sich im Alltag realistisch umsetzen?

Dazu ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis. Ein Fliesenlegerbetrieb mit einem riesigen Lagerbestand hatte folgendes Problem: Das Lager war zwar sortiert, aber das Wissen über die spezifischen Lagerplätze der einzelnen Fliesen existierte ausschließlich in den Köpfen des Inhabers und der langjährigen Mitarbeitenden. Für die Zukunft des Betriebs – auch mit Blick auf eine spätere Betriebsübergabe – war das ein großes Risiko. Gemeinsam mit dem Inhaber entwickelten wir daher eine KI-basierte Lösung zur Digitalisierung, die zeitsparend im laufenden Betrieb erfolgen konnte. Neben dem gesicherten Wissenstransfer ermöglichte diese Art der Innovation zudem effizientere Abläufe und einen verbesserten Kundenservice.

MUTIG: Und was ist zu beachten, wenn es um Innovationen im herkömmlichen Sinne geht – also um Forschungs- und Entwicklungsarbeit?

Jessica Schindhelm: Wer eine Idee für neue Produkte und Dienstleistungen hat, sollte zunächst eine gründliche Markt- sowie Kosten-Nutzenanalyse durchführen. Darüber hinaus ist in den meisten Fällen die Kooperation mit einer Forschungseinrichtung sinnvoll. Dafür können wir Kontakte zu Hochschulen herstellen. Zusätzlich informieren wir zu Förderprogrammen und Möglichkeiten, sich Erfindungen schützen zu lassen.

Neustart als Chance für Veränderung

MUTIG: Warum lohnt es sich, besonders im Zuge einer Gründung oder Betriebsnachfolge über Innovationen nachzudenken?

Hanna Middendorf: Gründungen und Übernahmen bieten die Chance, Dinge neu zu denken. Wer mit einem eigenen Geschäftsmodell neu am Markt startet, kann moderne Prozesse oder neue Technologien direkt etablieren und langfristig sinnvoll planen. Oft ist es einfacher, neue Strukturen von Anfang an aufzubauen oder neue Technologien von Beginn an anzuwenden, als später bestehende Abläufe komplett umstellen zu müssen. Auch bei einer Übernahme sind Innovationen wichtige Impulse für die Zukunftsfähigkeit. Viele Betriebe wurden in den vergangenen Jahren nur noch eingeschränkt modernisiert oder notwendige Investitionen wurden aufgeschoben. Betriebsnachfolgerinnen und -nachfolger können mit frischen Ideen oder der Einführung neuer Technologien Veränderungen anstoßen und das Unternehmen weiterentwickeln.

„Betriebe konkurrieren nicht nur mit anderen sondern auch mit ihrer Version von gestern.“

– Jessica Schindhelm, HWK-Innovationsberaterin

MUTIG: Was würdet ihr jemandem sagen, der denkt: „Dafür habe ich gerade weder Zeit noch Budget“?

Jessica Schindhelm: Genau dann lohnt es sich oft, genauer hinzuschauen. Denn wenn im Alltag dauerhaft keine Zeit bleibt, sind Prozesse häufig nicht optimal organisiert. Wichtig ist aber: Niemand muss sofort den kompletten Betrieb umkrempeln. Innovation bedeutet nicht, alles auf einmal zu verändern. Oft reichen kleine Schritte, die sich nach und nach umsetzen lassen. Viele Verbesserungen kosten zunächst sogar wenig oder gar kein Geld – etwa, wenn Abläufe intern neu organisiert werden. Entscheidend ist, offen für Veränderungen zu bleiben und sich selbst regelmäßig zu reflektieren. Denn am Ende konkurrieren Betriebe nicht nur mit anderen – sondern vor allem mit ihrer eigenen Version von gestern.




Auf Erfolgskurs mit dem Gründungsforum

Während das Schiff über die Ruhr glitt, nutzten zahlreiche Teilnehmende die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre über den Weg in die Selbstständigkeit zu informieren und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Statt klassischer Vortragsreihen standen persönliche Gespräche, individuelle Beratung und der direkte Austausch mit Fachleuten im Mittelpunkt.

Von Businessplan bis Betriebsnachfolge

An insgesamt acht Themeninseln informierten Expertinnen und Experten zu den wichtigsten Fragen rund um die Existenzgründung. Die Bandbreite reichte von Businessplan, Marketing und Finanzierung über Förderprogramme, Steuern und Recht bis hin zur Unternehmensnachfolge als Alternative zur Neugründung. Darüber hinaus boten die Themeninseln „Gründung im Handwerk“ sowie „Netzwerken“ wertvolle Einblicke in branchenspezifische Chancen und die Bedeutung eines starken beruflichen Netzwerks für den Gründungserfolg. Besonders geschätzt wurde die offene und unkomplizierte Atmosphäre an Bord. Die Kombination aus fachlichem Austausch, Ruhrpanorama und musikalischer Begleitung durch einen DJ sorgte für einen gelungenen Rahmen, in dem Ideen entstehen, weiterentwickelt und erste Kontakte geknüpft werden konnten.

Wer gründen möchte, braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch die richtigen Partner. Dafür bietet das Gründungsforum die ideale Plattform.“

– Dennis Svejcar, HWK-Berater

Feste Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer

Das Gründungsforum MEO hat sich in den vergangenen zehn Jahren als feste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte in der Region etabliert. Das Jubiläum zeigte einmal mehr, wie wichtig persönliche Begegnungen, praxisnahe Beratung und starke Netzwerke für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit sind.

Ich habe konkrete Impulse für mein Gründungsvorhaben bekommen und wertvolle Kontakte zu Fachleuten geknüpft. Das hat mich meiner beruflichen Selbstständigkeit ein großes Stück nähergebracht.“

– Florian Baum, Teilnehmer des Gründungsforums



Wer die Jubiläumsveranstaltung verpasst hat, erhält bereits im kommenden Jahr die nächste Gelegenheit: Das 11. Gründungsforum MEO findet im Sommer 2027 statt. Der genaue Termin wird rechtzeitig über die Internetseite der Handwerkskammer Düsseldorf und den Wirtschaftsförderungen in Mülheim, Essen und Oberhausen bekanntgegeben.




Gründung: Avatar bietet Orientierung

Kristina Pelz, Leiterin der betriebswirtschaftlichen Unternehmensberatung der Handwerkskammer, beantwortet im MUTIG Magazin die wichtigsten Fragen rund um den digitalen Assistenten.

Digitale Erstberatung

MUTIG: Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt oft mit der Frage „Wo fange ich am besten an“?

Kristina Pelz: Das stimmt. Der Weg in die Selbstständigkeit ist ein Prozess, bei dem viele Entscheidungen getroffen und Formalitäten erledigt werden müssen. Damit man dabei den Überblick nicht verliert, haben wir einen Gründungs-Avatar entwickelt. Er richtet sich an alle, die sich im Handwerk selbstständig machen möchten – egal, ob durch Neugründung oder Betriebsübernahme. Und das Beste daran: Man kann einfach starten – ohne Vorbereitung, ohne Termin.

MUTIG: Wie genau muss ich mir den Gründungs-Avatar vorstellen?

Kristina Pelz: Der Gründungs-Avatar ist ein digitales Beratungstool der Handwerkskammer. Es handelt sich dabei um einen KI-basierten, virtuellen Berater, der Fragen entgegennimmt und beantwortet. Der Avatar versteht gesprochene Sprache und antwortet ebenfalls in Echtzeit per Audio. Die Nutzung ist bewusst einfach gehalten: Interessierte können nach einer kurzen Registrierung direkt starten und ihre individuellen Fragen stellen. Ein Gespräch dauert in der Regel nur wenige Minuten, kann jederzeit unterbrochen und später weitergeführt werden. Im Anschluss erhalten Nutzerinnen und Nutzer eine Zusammenfassung der Antworten per Mail sowie die Kontaktdaten eines HWK-Mitarbeitenden, um sich ausführlicher beraten zu lassen.

„Der Gründungs-Avatar bietet erste Orientierung bei der Gründung eines Unternehmens oder einer Betriebsnachfolge. Er beantwortet Fragen, strukturiert Gedanken und hilft, die nächsten Schritte zu planen.“

Kristina Pelz, Leiterin der HWK-Unternehmensberatung

Typische Beratungsthemen

MUTIG: Welche Fragen beantwortet der Avatar?

Kristina Pelz: Unser digitaler Assistent beantwortet typischen Einstiegsfragen, mit denen sich nahezu jede und jeder Gründungswillige zu Beginn beschäftigt. Dazu gehören folgende Themen:

  • Finanzierung & Fördermittel
    Wie finanziere ich eine Betriebsübernahme?
    Welche Fördermöglichkeiten gibt es?
    Welche Förderprogramme passen zu meinem Vorhaben?
  • Businessplan
    Was macht einen guten Businessplan aus?
    Wie detailliert muss er sein?
  • Formale Anforderungen
    Anmeldung, Genehmigungen, Eintragung – was ist wirklich notwendig?
  • Betriebsübernahme
    Was ist anders als bei einer Neugründung?
    Worauf ist zu achten?

„Uns ist wichtig, dass der Gründungs-Avatar klare und verständliche Antworten liefert – kein komplizierter Fachjargon.

– Kristina Pelz

MUTIG: Diese Fragen können auch von den Beraterinnen und Beratern der Handwerkskammer in einem persönlichen Gespräch beantwortet werden. Warum ist zusätzlich ein Avatar notwendig?

Kristina Pelz: Eins vorweg: So hilfreich der Avatar ist, er ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sobald aus einer Idee ein konkretes Vorhaben wird, begleiten unsere Mitarbeitenden die nächsten Schritte und geben erfahrungsbasierte Handlungsempfehlungen. Aber unser digitaler Assistent kann Hemmschwellen senken und in der Orientierungsphase einen unkomplizierten Einstieg bieten. Zudem wird er den veränderten Bedürfnissen gerecht. Informationen müssen heute schnell verfügbar und leicht konsumierbar sein. Viele wünschen sich eine Beratung, die auch unabhängig von Öffnungszeiten funktioniert. Diesen Service erfüllt unser digitaler Assistent. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu einer allgemeinen Internetsuche erhalten Nutzerinnen und Nutzer speziell auf das Handwerk zugeschnittene Informationen – ohne lange recherchieren und sich durch unzählige Webseiten klicken zu müssen.

„So nützlich digitale Tools sind, sie ersetzen nicht die individuelle Beratung. Unser Avatar vermittelt erste Grundlagen. Sobald das Gründungs- oder Übernahmevorhaben konkreter wird, kommen die Beraterinnen und Berater der Handwerkskammer ins Spiel.“

– Kristina Pelz

Jederzeit erreichbar

MUTIG: Der Avatar kann also jederzeit und ortsunabhängig genutzt werden. Wo genau finde ich den digitalen Berater?

Kristina Pelz: Unseren Gründungs-Avatar finden Interessierte auf der Website des MUTIG-Magazins sowie auf der Internetseite der Handwerkskammer Düsseldorf. Dort ist er Tag und Nacht erreichbar. Die Nutzung erfolgt datenschutzkonform: Persönliche Angaben werden ausschließlich für die Kontaktaufnahme im Rahmen der Beratung verwendet. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Unternehmen im Handwerk zu gründen oder einen Betrieb zu übernehmen, sollte unseren digitalen Assistenten ausprobieren. Selbstständigkeit beginnt mit einem ersten Schritt. In diesem Sinne: Einfach reinklicken, Fragen stellen und Klarheit gewinnen.

MUTIG: Vielen Dank für die Erläuterungen.




Außenwirtschaft: Markterkundung London

Der Großraum London – dessen Entfernung zu Düsseldorf in etwa der Entfernung zwischen Düsseldorf und München entspricht – zählt zu den wirtschaftsstärksten Metropolregionen Europas. Rund neun Millionen Menschen leben im Stadtgebiet, in der gesamten Metropolregion sind es sogar über 14 Millionen Einwohner. Die jährliche Wirtschaftsleistung Londons liegt bei mehr als 500 Milliarden Pfund – ein Wert, der dem Bruttoinlandsprodukt ganzer europäischer Staaten entspricht. Besonders dynamisch ist der Bau- und Immobiliensektor. Jahr für Jahr fließen Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe in Neubauprojekte, Sanierungen, Infrastrukturmaßnahmen sowie hochwertige Wohn- und Gewerbeimmobilien. Der anhaltende Bedarf an Wohnraum, Modernisierung und nachhaltigem Bauen sorgt für eine konstant hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachbetrieben. Für spezialisierte Handwerksunternehmen mit hohem Qualitätsanspruch bietet dieser Markt attraktive Perspektiven.

Internationale Bühne für Bau und Handwerk

Die London Build ist weit mehr als eine klassische Fachmesse. Sie ist Treffpunkt für Bauunternehmen, Architekturbüros, Projektentwickler, Investoren und Zulieferer aus aller Welt. Die aus dem Kammerbezirk Düsseldorf angereisten Unternehmer hatten hier Gelegenheit, sich mit potenziellen Geschäftspartnern direkt, praxisnah und offen auszutauschen. Besonders die Themen Qualitätssicherung, Zuverlässigkeit, Termin- und Ausführungsgenauigkeit sowie nachhaltige Bauweisen spielten eine große Rolle. Schnell zeigte sich, dass deutsche Handwerksbetriebe hier punkten können. So weckten beispielsweise zwei mitgereiste Dachdeckerbetriebe aus Düsseldorf und Essen mit ihrem Know-how im Bereich anspruchsvoller Dachkonstruktionen, Sanierungen im Bestand und langlebiger Materialien das Interesse der Briten. Und ein Tischlereibetrieb aus Vreden überzeugte mit individuellen Lösungen, Maßarbeit und einem hohen gestalterischen Anspruch – Aspekte, die im hochwertigen Wohn- und Objektbau in London stark nachgefragt sind.

Deutsche Handwerksbetriebe genießen in Großbritannien einen exzellenten Ruf. Hier sind qualitativ hochwertige, zuverlässige und spezialisierte Leistungen stark nachgefragt.

-Gerd Fahrendorf

Insider-Wissen

Sehr wertvoll waren für die mitgereisten Unternehmer auch Kontakte, die über den Messebesuch hinausreichten. So kam es unter anderem zu Gesprächen mit einem deutschen Architekten, der seit über 20 Jahren erfolgreich in London tätig ist. Seine Erfahrungen aus der Praxis – von Projektabläufen über die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bis hin zu kulturellen Besonderheiten – lieferten realistische und zugleich ermutigende Einblicke in den britischen Markt. Darüber hinaus tauschten sich die Betriebsinhaber mit englischen Steuerberatern über Abwicklungs- und Strukturierungsfragen aus. Themen wie Vertragsgestaltung, steuerliche Rahmenbedingungen und organisatorische Anforderungen wurden offen angesprochen und eingeordnet. Gerade diese Gespräche machten deutlich, dass viele Herausforderungen lösbar sind, wenn sie frühzeitig bedacht und professionell begleitet werden.

Die Reise nach London hat sich gelohnt. Ich konnte neue Perspektiven gewinnen und wertvolle Kontakte knüpfen.

-Felix Hamburg, Dachdeckermeister aus Düsseldorf

International denken – im eigenen Betrieb profitieren

Zusätzlich wurde ein oft unterschätzter Effekt internationaler Aktivitäten deutlich: Handwerksunternehmen, die sich mit ausländischen Märkten beschäftigen, professionalisieren zugleich ihre internen Abläufe in Deutschland. Denn: Wer sich auf internationale Projekte vorbereitet, muss Prozesse klar strukturieren, Zuständigkeiten definieren und Abläufe sauber dokumentieren – von der Angebotskalkulation über die Projektplanung bis hin zur Kommunikation. Diese Herangehensweise wirkt nicht nur im Ausland, sondern stärkt auch das Tagesgeschäft im heimischen Betrieb. Klare Prozesse, verlässliche Zeitpläne und transparente Kostenstrukturen führen zu mehr Effizienz, höherer Qualität und besserer Planbarkeit. Internationales Denken wird so zu einem echten Organisations- und Wettbewerbsvorteil.

Lernen, verstehen, einordnen

Die Reise nach London zeigte eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Handwerksbetriebe den Mut haben, über den regionalen Markt hinauszublicken. Internationalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist eine strategische Option für Betriebe, die wachsen, sich spezialisieren oder neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Die teilnehmenden Betriebe erfuhren, welche Leistungen gefragt sind, welche Projekte sich für den Einstieg eignen und welche Anpassungen notwendig sind, um auf dem britischen Markt erfolgreich zu sein.

Das deutsche Handwerk muss sich auf internationalen Märkten nicht verstecken – im Gegenteil. Unsere Betriebe kehrten mit gestärktem Selbstbewusstsein von dieser Reise zurück.

-Gerd Fahrendorf

Neben Unternehmerreisen bietet die Handwerkskammer auch weitere Unterstützung bei der Erkundung und Erschließung neuer Märkte an. Dazu zählen Besuche von internationalen Messen, Netzwerkkontakte und individuelle Hilfestellung – etwa bei der Aufbau- und Ablauforganisation internationaler Tätigkeiten oder zu Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung.




Nachfolgeakademie

Viele Nachfolgerinnen und Nachfolger haben zwar Fachwissen, aber wenig Erfahrung mit Zahlen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. In der Nachfolgeakademie bekommen sie Einblicke in Aufgaben der Unternehmensführung und wichtige Informationen zur Vorbereitung einer erfolgreichen Betriebsübernahme. Begleitet werden die Schulungen durch Coaching-Einheiten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Vorhaben reflektieren und einen persönlichen Nachfolgefahrplan entwickeln können.

In der Nachfolgeakademie zeigen wir, wie man eine Übernahme gut vorbereitet und geben Tipps für die künftigen unternehmerischen Aufgaben.

Rebecca Haag, HWK-Karrierescout

Themen im Überblick

Businessplan: Wer einen Betrieb übernehmen und erfolgreich in die Zukunft führen will, braucht eine Strategie. Als Fahrplan für unternehmerische Entscheidungen und auch, um Förderkredite bei Banken beantragen zu können. Expertinnen und Experten der Handwerkskammer geben einen Überblick und Hilfestellungen zu den Inhalten eines gelungenen Businessplans.

Unternehmenswertabschätzung: Potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger fragen sich oft: Ist der Kaufpreis für den zu übernehmenden Betrieb gerechtfertigt? In der Nachfolgeakademie erfahren sie, woran sich der Wert eines Unternehmens bemisst und welche Aspekte im Verhandlungsprozess genauer unter die Lupe genommen werden sollten, um mögliche Risiken vorab zu identifizieren.

Finanzierung: Für den Kauf eines etablierten Betriebs reicht das vorhandene Eigenkapital in der Regel nicht aus. Übernehmerinnen und Übernehmer sind daher auf Fremdkapital angewiesen. Bei uns erhalten sie einen Überblick über die wichtigsten öffentliche Förderkredite und Zuschüsse.

Marketing: Ein neuer Chef oder eine neue Chefin bedeutet auch: frischer Wind im Außenauftritt. Ob Website, Social Media oder klassische Werbung – in diesem Modul erfahren die Teilnehmenden, wie sie ihren Betrieb sichtbar machen, das Vertrauen bestehender Kundschaft sichern und neue Zielgruppen erschließen.

Personal übernehmen und führen: Die Übernahme ist nicht nur ein Generationenwechsel an der Spitze, sondern betrifft auch das Team. In der Nachfolgeakademie beschäftigen wir uns damit, welche rechtlichen Vorgaben mit Blick auf das Personal beachtet werden müssen und wie es gelingt, Mitarbeitende erfolgreich zu führen. Auch Strategien zur Fachkräftebindung und zur Personalgewinnung stehen auf dem Programm.

Unternehmensorganisation: Ob Kalkulation, die Planung von Arbeitsabläufen oder der Einsatz von Software. In der Nachfolgeakademie schauen wir uns an, was im Unternehmensalltag zu organisieren ist und wie die Produktivität verbessert werden kann. Außerdem erfahren die Teilnehmenden, welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wichtig sind und wie man eine Bilanz liest.

Persönlich & praxisnah

Die Referentinnen und Referenten der Nachfolgeakademie haben langjährige Erfahrung in der Beratung von Handwerksbetrieben und können den Teilnehmenden so wichtige Sachverhalte anhand konkreter Beispiele verdeutlichen sowie wertvolle Praxistipps mit auf den Weg geben. Bei Bedarf begleiten die Kolleginnen und Kollegen die Teilnehmenden anschließend zudem persönlich im Nachfolgeprozess – von der ersten Finanzierungsplanung bis hin zur Ausarbeitung konkreter Übernahmemodalitäten.

Die Nachfolgeakademie war für mich der Türöffner für die weitere persönliche Begleitung durch einen Berater der Handwerkskammer. 2023 habe ich den Betrieb meines Vaters erfolgreich übernommen.

Sebastian Kluth, Teilnehmer der Nachfolgeakademie

Lernen, vernetzen, wachsen

Ein Mehrwert entsteht auch durch den Austausch der Teilnehmenden untereinander. Sie können Kontakte knüpfen, von den Erfahrungen anderer lernen und merken dabei schnell: Mit den eigenen Fragen und Herausforderungen ist man nicht allein.



Zudem erhält man Impulse, sich selbst als Unternehmerpersönlichkeit zu entwickeln. So haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre eigenen Kompetenzen und ihr Übernahmevorhaben anhand des frisch erworbenen Wissens zu reflektieren und weitere, individuelle Handlungsschritte abzuleiten.

Jetzt vormerken

Die Nachfolgeakademie findet einmal im Jahr an vier Nachmittagsterminen à drei Stunden statt. Dazu treffen wir uns im wöchentlichen Rhythmus in der Handwerkskammer in Düsseldorf. Das Angebot ist kostenlos und richtet sich sowohl an Personen, die eine Übernahme bereits konkret geplant haben, als auch an solche, die noch ganz am Anfang stehen oder auf der Suche nach einem Übernahmebetrieb sind. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt. Interessierte können sich unter karrierescout@hwk-duesseldorf.de auf die Vormerkliste setzen lassen. Sobald die Termine für die nächste Nachfolgeakademie feststehen und die Anmeldemöglichkeit freigeschaltet ist, erhalten vorgemerkte Personen eine Mail mit weiteren Informationen.




Rechtsformwechsel: Aktionstag 2025

Das Einzelunternehmen ist statistisch nach wie vor die dominierende Rechtsform bei Handwerksunternehmen. Dies spiegelte sich auch am Aktionstag wider: Über 90 Prozent der anwesenden Betriebsinhaberinnen und -inhaber bestätigten, ihren Betrieb derzeit als Einzelunternehmen zu organisieren. Jedoch könnte für den ein oder anderen Handwerksbetrieb auch eine andere als diese klassische Rechtsform interessant sein.

Folgende Weichenstellungen sind bei Rechtsformwahl und -wechsel immer mitzudenken: Haftung, Gründungsaufwand und Finanzierung, Kooperation und Wachstum, Nachfolge und Reputation.

-Jonan Recksiek

Vergleich: Personen- und Kapitalgesellschaft

Zur besseren Einordnung der verschiedenen Rechtsformen lohnt sich ein Blick auf deren Systematik. „Grundsätzlich wird zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterschieden“, erläuterte Florian Dreyer, betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer. „Personengesellschaften wie die GbR oder die KG lassen sich in der Regel formfrei und mit geringem Kostenaufwand gründen. Zudem gelten weniger strenge Buchführungs- und Veröffentlichungspflichten.“ Jedoch haften Inhaberinnen und Inhaber bei diesen Personengesellschaften unbeschränkt, das heißt auch mit ihrem Privatvermögen. Im Gegensatz dazu sei die Haftung bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH, UG oder AG beschränkt, da es sich um eigene (juristische) Personen handele. „Die Gründung einer Kapitalgesellschaft ist zeit- und kostenintensiver, weil ein Notar involviert sein muss. Außerdem gelten Besonderheiten bei der Besteuerung sowie eine Bilanzierungs- und Veröffentlichungspflicht.“




© Handwerkskammer Düsseldorf

Vom Einzelunternehmen zur GmbH

Doch wann macht der Wechsel der Rechtsform, insbesondere von einem Einzelunternehmen zur GmbH, Sinn? Diese Frage beantwortete Nils Pohlmann von der Pohlmann-Steuern GmbH Steuerberatungsgesellschaft: „Unternehmen mit wachsender Auftragslage, einem großen Investitionsbedarf oder einer absehbaren Betriebsübergabe können von einem Wechsel der Rechtsform profitieren.“

Zentrale Vorteile der GmbH:

  • Haftungsschutz: Trennung von Privat- und Betriebsvermögen
  • Steuervorteile: Körperschaftsteuer statt Einkommensteuer
  • Nettolohnoptimierung: Gestaltung des Geschäftsführergehalts
  • Wachstum: bessere Finanzierungsmöglichkeiten
  • Nachfolge: einfachere Unternehmensübertragung
  • Reputation: seriöseres Auftreten bei Banken und Geschäftspartnern

Der Zeitpunkt, um über einen Wechsel zur GmbH nachzudenken, sei gekommen, wenn die Risiken der Haftung, eine zu hohe Steuerlast, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten oder Komplikationen bei der Betriebsübergabe abzusehen seien. „Als Faustregel für die Steuerersparnis gilt: Ab ca. 70.000 Euro Gewinn pro Jahr wird die GmbH interessant.“

Die GmbH dient der Investition, nicht dem Konsum.

-Nils Pohlmann

Weichenstellungen für einen Wechsel

Der Weg vom Einzelunternehmen zur GmbH läuft in drei Schritten ab und weist vor allem folgende Besonderheiten auf:

  1. Gründung der GmbH: Gesellschaftsvertrag beim Notar, Einzahlung des Stammkapitals und Eintragung ins Handelsregister
  2. Erstellung einer Schlussbilanz: GmbH kennt keine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR), daher Überleitungsrechnung zur Bilanzierung
  3. Einbringung des Einzelunternehmens in die GmbH: Rückwirkungsfiktion bis zu 8 Monate, Buchwertantrag stellen, 7-Jährige Sperrfrist beachten, Grunderwerbssteuer bei Einbringung von Grundstücken beachten

Grundsätzlich ist es ratsam, frühzeitig mit der Planung zu beginnen, da die Umstellung gründlich vorbereitet sowie betriebliche, rechtliche, steuerliche und notarielle Aspekte miteinander abgestimmt werden müssen.

Diskussion und Austausch

Neben Expertenvorträgen gab es beim Aktionstag einen lebendigen Austausch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Während der abschließenden Podiumsdiskussion konnten diese zahlreiche Fragen stellen – etwa zur Haftung in der Übergangszeit, zur Behandlung offener Rechnungen, zur Entnahmemöglichkeit in der GmbH oder zur Rolle des Geschäftsführers. Zeit für persönlichen Austausch bot das abschließenden Get-together.




KI im Handwerk: Einfach.Praktisch.Machbar.

„Ein Blick in die Geschichte der Künstlichen Intelligenz zeigt: Die ersten Meilensteine wurden bereits vor Jahrzehnten entwickelt“, leitete Tobias Vogel, Unternehmensberater der Handwerkskammer Düsseldorf, den Aktionstag ein. Beispiele dafür seien der so genannten Turing-Test, der die Fähigkeit einer Maschine beurteilt, menschenähnlich zu kommunizieren. Oder aber der erste Schachcomputer, der einen Weltmeister schlagen konnte. „Was heute in aller Munde ist – ChatGPT  oder künstliche Bildgenerierung – sind schlicht Weiterentwicklungen, die mühelos für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden können und so für immer mehr Menschen Nutzen bringen.“

Wissen ist Macht

KI ist also keine neumodische Eintagsfliege, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung, deren Entwicklung in den letzten Jahren rasant zugenommen hat. „KI ist längst da und gekommen, um zu bleiben“, so Tobias Vogel. „Aber sie hat auch ihre Schattenseiten: Deepfakes, Fake News oder Probleme mit dem Datenschutz.“ Diese seien jedoch kein Grund, Künstliche Intelligenz zu verteufeln oder sich Angst einjagen zu lassen.

Wer KI meidet, verzichtet auf den Motor der Zukunft – entscheidend ist nicht, ob Risiken existieren, sondern ob wir sie klug managen und die Chancen für uns nutzen.

-Tobias Vogel

Aufklärung und das Wissen über den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz bieten Handwerkinnen und Handwerkern die Chance, einen Mehrwert für ihr Unternehmen zu schaffen.




© KI-generiert mit Canva, Handwerkskammer Düsseldorf

Probieren geht über Studieren

Wie Künstliche Intelligenz im Betrieb eingesetzt werden kann, erfuhren die Gäste von André Maaß, ebenfalls Berater bei der Handwerkskammer Düsseldorf sowie Daniel Hölscher, Inhaber der Gebr. Hölscher Bauunternehmung GmbH.  André Maaß holte einfach sein Smartphone hervor und demonstrierte live, wie einfach sich ChatGPT nutzen lässt. Er nutzte die Spracheingabefunktion, um ein Gespräch mit der KI zu führen und sich Fragen beantworten zu lassen, die die Zuschauer stellten. Die Botschaft war eindeutig:

Einfach anfangen, ausprobieren, entdecken – und zwar jetzt!

-André Maaß

Unternehmer Hölscher setzt KI bereits beim Schreiben von Textbausteinen, der Strukturierung von Angeboten und zur Baustellendokumentation ein. Er nutzt dafür verschiedene Tools, hauptsächlich aber Large Language Modelle (LLM) wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity AI. Er hat vieles einfach ausprobiert und ist begeistert von der Zeitersparnis durch den Einsatz von KI. Dabei braucht es seiner Ansicht nach keine Branchensoftware oder eine kostenintensive Individuallösung; Schulungen für die Mitarbeitenden und ein Profi-Zugang zu einem der LLMs sind ausreichend. Sein pragmatischer Rat:

Suchen Sie sich die Aufgabe, die Sie am meisten nervt und geben Sie diese an die KI ab.“

-Daniel Hölscher

Von Erfahrungen anderer lernen

Zu guter Letzt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Aktionstages ihre individuellen Fragen an die Experten stellen oder von ihren eigenen Erfahrungen mit KI berichten. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die bisherigen Berührungspunkte sind. Während einige Teilnehmende bereits spezielle Prompt-Techniken diskutierten, beschäftigte andere eher die Frage, wie sie den Einstieg in die Künstliche Intelligenz für sich finden könnten oder, ob dies wirklich notwendig sei. Die Stimmung war dabei offen, konstruktiv und neugierig und machte vielen Lust, sich nach der Veranstaltung nochmal an den Schreibtisch zu setzten und gleich selbst auszuprobieren, wie KI im eigenen Betrieb funktionieren kann.




NRW.BANK.Invest Zukunft: Förderprogramm der NRW.Bank

Was das Programm so besonders macht und warum es sich für Handwerksbetriebe lohnt, darüber sprach die MUTIG-Redaktion mit Philipp Salm, Leiter der Förderberatung für das Rheinland in der NRW.BANK.

Rahmendaten

MUTIG: Was ist der Vorteil des neuen Förderprogramms Invest Zukunft?

Philipp Salm: NRW.BANK.Invest Zukunft ist quasi der Investitionsturbo für alle Vorhaben rund um Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit. Das Darlehensprogramm bietet einen gegenüber dem Marktzins um bis zu zwei Prozent niedrigeren Zinssatz. Statt zum Beispiel 4,5 Prozent zahlt ein Unternehmen damit nur einen Zinssatz von 2,5 Prozent. Alle Unternehmen in NRW können die zinsvergünstigten Darlehen nutzen – unabhängig von ihrer Größe.

Kleine und mittlere Unternehmen erhalten zusätzlich einen Tilgungsnachlass von 5, 10 oder 20 Prozent – abhängig von ihrer Größe und der Investitionshöhe. Ein kleines Unternehmen, das 500.000 Euro investiert, kann zum Beispiel insgesamt bis zu 170.000 Euro sparen.

Ein kleines Unternehmen, das 500.000 Euro investiert, kann insgesamt bis zu 170.000 Euro sparen.

-Philipp Salm

MUTIG: Welche Investitionen unterstützt das Programm?

Philipp Salm: NRW.BANK.Invest Zukunft eignet sich für ein breites Spektrum von Transformationsvorhaben. Sei es, dass ein Handwerksbetrieb eine neue Maschine anschaffen will, die weniger Energie braucht, den Fuhrpark elektrifiziert oder sein Auftragswesen weiter digitalisiert. Und möchte ein Unternehmen eine völlig neue Technologie einführen, wird auch das unterstützt.

Insgesamt kann das Programm genutzt werden für Investitionen in Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, zirkuläres Wirtschaften, Innovationen, Effizienz und Einsparungen sowie Klima- und Umweltschutz.

MUTIG: Wie hoch ist die Förderung?

Philipp Salm: Gefördert werden bis zu 100 Prozent der Investition. Die höchstmögliche Darlehenssumme liegt bei zehn Millionen Euro.

MUTIG: Und wie steht es mit der Rückzahlung?

Philipp Salm: Die Laufzeit des Darlehens kann – bei fester Zinsbindung – zwischen drei und zehn Jahren liegen, mit einer tilgungsfreien Zeit zwischen einem und drei Jahren. So haben die Unternehmen vor allem auch Planungssicherheit.

Voraussetzungen

MUTIG: Wer kann einen Antrag stellen?

Philipp Salm: Alle Unternehmen – aus der Privatwirtschaft,  öffentlich-rechtliche wie etwa kommunale Betriebe und auch gemeinnützige. Zudem Stiftungen und die Angehörigen der freien Berufe. Voraussetzung für alle ist, dass sie in Nordrhein-Westfalen investieren und eben in Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovation.

Und, ganz wichtig: Das Unternehmen darf noch nicht mit seinem Vorhaben begonnen haben. Wer eine Investition vorhat, sollte deshalb so früh wie möglich mit der Bank sprechen. Auch die Handwerkskammer berät Unternehmerinnen und Unternehmer zu ihren Vorhaben und Fördermöglichkeiten.

Antragstellung

MUTIG: Wie kann ich einen Antrag stellen?

Philipp Salm: Ganz einfach, indem das Unternehmen zu seiner Hausbank geht und dort das Darlehen aus dem neuen Programm beantragt. Die Beraterinnen und Berater dort erledigen alles weitere.

MUTIG: Fördermittel zu beantragen hat oft den Ruf aufwendig und langwierig zu sein!

Philipp Salm: NRW.BANK.Invest Zukunft ist bewusst anders angelegt: Es reicht ein einfacher Verwendungsnachweis aus – Bürokratie wird damit auf ein Minimum reduziert. Außerdem fasst das Programm gleich vier bestehende Förderangebote zusammen. So können Unternehmen schnell und bequem von den Vorteilen profitieren.

Das neue Förderprogramm soll ja für mehr Tempo in der Transformation sorgen. Insofern können Unternehmen mit einer zügigen Bearbeitung rechnen.

MUTIG: Lieber Herr Salm – vielen Dank für Ihre Erläuterungen!

Wichtig: Kontakt zur Handwerkskammer aufnehmen, bevor die ersten Unterschriften gesetzt werden. Denn überstürztes Handeln kann zum Förderausschluss führen.

-Beratungsteam der Handwerkskammer Düsseldorf

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Mitarbeitende binden: Aktionstag 2025

In ihrem Vortrag „Nicht nur Werkzeug zählt – Moderne Benefits im Handwerksbetrieb“ machte Sarah Eichhorn, Unternehmensberaterin der Handwerkskammer, deutlich, wie wichtig es für Betriebe ist, als Arbeitgeber attraktiv aufzutreten. Ihre Eingangsfolie brachte es auf den Punkt: „Wer Schiffe anlocken will, muss einen Hafen bauen.“

Betriebliche Benefits steigern Attraktivität

Sarah Eichhorn zeigte praxisnah, welche Benefits heute wirklich wirken. Besonderes Interesse weckte das Thema betriebliche Zusatzkrankenversicherung (bZKV). „Gerade für Ältere oder Mitarbeitende mit Vorerkrankungen ist diese Form der Gesundheitsversorgung hochattraktiv, denn bei einem betrieblichen Abschluss als Gruppenversicherung entfällt die sonst übliche Gesundheitsprüfung durch den Versicherer.  Der Betrieb kann die Versicherungsbeiträge steuerlich geltend machen – vorausgesetzt, die entsprechenden Freibeträge sind noch nicht ausgeschöpft“, erklärte Eichhorn. So sei die bZKV nicht nur für die Belegschaft ein echter Mehrwert, sondern trage auch dazu bei, Krankenstände zu senken und die Mitarbeitenden langfristig an den Betrieb zu binden.

Setzen Sie auf Ihre eigenen Leute als Botschafter.

Sarah Eichhorn

Kleineren Betrieben empfiehlt Eichhorn, mit einem überschaubaren Angebot an Benefits zu starten – dafür aber mit solchen, die echte Wertschätzung ausdrücken. Sie betonte außerdem: „Kommunizieren Sie bitte, was Sie Gutes tun, und werden Sie vor Ort sichtbar – Präsenz ist der Schlüssel zur Mitarbeiterfindung und -bindung!“ Denn Benefits entfalten nur dann Wirkung, wenn sie auch wahrgenommen werden. „Setzen Sie auf Ihre eigenen Leute als Botschafter“, riet Eichhorn, denn: „zufriedene Mitarbeitende empfehlen ihren Betrieb weiter – ganz ohne Werbekampagne.“ Die Voraussetzung dafür: ein stimmiges Betriebsklima.

Kommunikation als Führungsaufgabe

Beraterkollege Gerd Fahrendorf hob in seinem Vortrag hervor, wie wichtig sogenannte Soft Skills im Führungsalltag sind. „Technisch sind unsere Betriebe gut aufgestellt. Aber bei der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es oft noch Luft nach oben“, berichtete Fahrendorf aus seinem Berateralltag. Gerade im Handwerk sei das Verantwortungsgefühl gegenüber der Belegschaft groß, doch „gute Kommunikation muss gelernt und gepflegt werden.“ Seine praktischen Tipps: Mitarbeitende öfter ehrlich (aber nicht übertrieben) loben, mehr erklären, sie in Entscheidungen einbeziehen und Vertrauen schenken. Und: Eine konstruktive Fehlerkultur leben. Sein Fazit: „Checken Sie doch mal den fairen Umgang miteinander.“ Zudem merkte er an: „Soft Skills kommen situativ und oft unbewusst zum Einsatz.“

Ein Leitbild funktioniert nur, wenn es gelebt wird – mit Authentizität und Ehrlichkeit.

Gerd Fahrendorf

Kulturwandel durch Kommunikation und Beteiligung

In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Unternehmensberater André Maaß, bestätigte auch Sophie Hinkel, die vor vier Jahren die Leitung der gleichnamigen Düsseldorfer Traditionsbäckerei mit rund 120 Mitarbeitenden von ihrem Vater übernommen hat: „Eine gute Kommunikation im Betrieb ist das Wichtigste – alle Führungskräfte bei uns haben ein gezieltes Training erhalten.“ Dadurch habe sie einen echten „Kulturwandel“ im Unternehmen erreicht, der sich sehr positiv auf das Betriebsklima ausgewirkt habe. Sophie Hinkel betonte weiter: „Es gibt kein Perfekt – aber wir sind immer auf dem Weg zu einem guten Arbeitgeber. Kritik darf geäußert werden, aber nur konstruktive Kritik – und die Entscheidung fälle ich als Chefin.“



In Bezug auf Benefits empfahl Sophie Hinkel, den Mitarbeitenden die Wahl zu lassen, welche Zusatzleistungen ihnen persönlich wichtig sind. Gleichzeitig legte sie Betrieben nahe, sich bei der Einführung solcher Angebote professionelle Unterstützung zu holen – insbesondere, wenn es darum geht, komplexe versicherungstechnische Inhalte verständlich zu vermitteln und so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Mitarbeitenden zu schaffen.

Fazit: Mitarbeiterbindung beginnt mit Wertschätzung, wird durch Benefits greifbar und lebt durch Kommunikation. Der Aktionstag hat gezeigt, wie viel Potenzial im Handwerk steckt – wenn man bereit ist, auch die „weichen“ Faktoren ernst zu nehmen.