Auf Erfolgskurs mit dem Gründungsforum

Während das Schiff über die Ruhr glitt, nutzten zahlreiche Teilnehmende die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre über den Weg in die Selbstständigkeit zu informieren und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Statt klassischer Vortragsreihen standen persönliche Gespräche, individuelle Beratung und der direkte Austausch mit Fachleuten im Mittelpunkt.

Von Businessplan bis Betriebsnachfolge

An insgesamt acht Themeninseln informierten Expertinnen und Experten zu den wichtigsten Fragen rund um die Existenzgründung. Die Bandbreite reichte von Businessplan, Marketing und Finanzierung über Förderprogramme, Steuern und Recht bis hin zur Unternehmensnachfolge als Alternative zur Neugründung. Darüber hinaus boten die Themeninseln „Gründung im Handwerk“ sowie „Netzwerken“ wertvolle Einblicke in branchenspezifische Chancen und die Bedeutung eines starken beruflichen Netzwerks für den Gründungserfolg. Besonders geschätzt wurde die offene und unkomplizierte Atmosphäre an Bord. Die Kombination aus fachlichem Austausch, Ruhrpanorama und musikalischer Begleitung durch einen DJ sorgte für einen gelungenen Rahmen, in dem Ideen entstehen, weiterentwickelt und erste Kontakte geknüpft werden konnten.

Wer gründen möchte, braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch die richtigen Partner. Dafür bietet das Gründungsforum die ideale Plattform.“

– Dennis Svejcar, HWK-Berater

Feste Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer

Das Gründungsforum MEO hat sich in den vergangenen zehn Jahren als feste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte in der Region etabliert. Das Jubiläum zeigte einmal mehr, wie wichtig persönliche Begegnungen, praxisnahe Beratung und starke Netzwerke für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit sind.

Ich habe konkrete Impulse für mein Gründungsvorhaben bekommen und wertvolle Kontakte zu Fachleuten geknüpft. Das hat mich meiner beruflichen Selbstständigkeit ein großes Stück nähergebracht.“

– Florian Baum, Teilnehmer des Gründungsforums



Wer die Jubiläumsveranstaltung verpasst hat, erhält bereits im kommenden Jahr die nächste Gelegenheit: Das 11. Gründungsforum MEO findet im Sommer 2027 statt. Der genaue Termin wird rechtzeitig über die Internetseite der Handwerkskammer Düsseldorf und den Wirtschaftsförderungen in Mülheim, Essen und Oberhausen bekanntgegeben.




Vom Garagenbetrieb zum 20-köpfigen Team

Jetan Maqani wollte nicht warten – er wollte machen. Nur zwei Wochen nach seiner bestandenen Meisterprüfung startete er deshalb einen Ein-Mann-Betrieb in der eigenen Garage. Was klein begann, entwickelte sich schnell weiter. Die Zahl der Aufträge stieg stetig, der Platz in der Garage wurde zunehmend knapper. Bereits ein halbes Jahr später zog der junge Tischlermeister deshalb mit seiner Werkstatt ins Gewerbegebiet um; in größere, angemietete Räumlichkeiten. Und er stellte erstmals Mitarbeitende ein. Nach und nach erweiterte er sein Team auf sieben Beschäftigte.

Ich habe nicht lange überlegt, sondern einfach angefangen und etwas Eigenes aufgebaut.

Jeton Maqani

Eine Chance kommt zufällig

Der nächste große Schritt ergab sich fast zufällig. Durch ein Gespräch mit einem benachbarten Tischlereibetrieb erfuhr Jeton Maqani, dass dort eine Nachfolge gesucht wurde und nutzte die Gelegenheit, seinen Betrieb zu erweitern. Er übernahm die d+s Tischlerei in Kamp-Lintfort und damit einen traditionsreichen Betrieb, der seit fast 30 Jahren an diesem Standort ansässig war. Mit der Übernahme wuchs nicht nur die Verantwortung, sondern auch das Team: Die zehn Mitarbeitenden des Betriebs wurden übernommen, zusätzlich stellte Jeton Maqani drei weitere ein. Heute beschäftigt er über 20 Mitarbeitende und schreibt die erfolgreiche Firmengeschichte unter eigenem Namen weiter.

Mehr Raum für Handwerk und Ideen

Auch räumlich hat sich seit der Übernahme einiges verändert. Am neuen Standort hat Jeton Maqani mit 790 Quadratmetern Produktionsfläche mehr als viermal so viel Platz wie bisher. Seine ursprüngliche Werkstatt, in der – nur wenige Meter entfernten – angemieteten Immobilie, hat er dennoch behalten. Hier konzentriert er sich auf die Massivholzbearbeitung. Denn das Leistungsspektrum der Tischlerei ist breit. Neben Möbel-, Laden und Messebau zählen auch die Anfertigung von Treppen, Tischen und individuellen Lösungen zum Angebot.



Entwicklung einer eigenen Möbelserie

Über klassische Tischler- und Auftragsarbeiten hinaus, entwickelt die Tischlerei Maqani auch eigene Lösungen. Mit „Locus“ entwarf der junge Firmeninhaber zum Beispiel eine modulare Spindlösung für Kindergärten und Grundschulen. Das System hat er sich als Markenname und Design schützten lassen und es so geschafft, sich mit einer eigenen Idee am Markt zu positionieren. Was Jeton Maqani an seinem Beruf besonders schätzt, ist die Vielseitigkeit. „Als selbstständiger Tischlermeister kann ich Handwerker und Unternehmer zugleich sein: kreativ arbeiten, individuelle Lösungen entwerfen und gleichzeitig meinen Betrieb strategisch weiterentwickeln.“

Leistung, Fairness und Kundenzufriedenheit

Für Jeton Maqani steht fest: Gute Arbeit entsteht nicht nur durch handwerkliches Können, sondern auch durch den richtigen Umgang miteinander. Fairness, transparente Angebote und eine klare Kommunikation mit den Kunden sind für ihn genauso wichtig wie handwerkliche Qualität. Durch hohe Leistungsbereitschaft und effiziente Abläufe möchte er vor allem eines erreichen: zufriedene Kunden. Mit viel Energie, einem engagierten Team und neuen Ideen ist ihm dies gelungen. Die Entwicklung von Jeton Maqani und seinem Betrieb zeigt, wie dynamisch und zukunftsfähig Handwerk heute sein kann.

Ein Tischler für alle – wir wollen für unsere Kunden die bestmögliche Leistung zum bestmöglichen Preis liefern.“

Jeton Maqani




Schaufenster in die Werkstatt

Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete Tabea als angestellte Goldschmiedin. Mit zwei Kindern im Grundschulalter war der klassische Arbeitsalltag allerdings immer weniger mit dem Familienleben vereinbar. „Für mich war irgendwann klar: Wenn ich diesen Beruf weiter ausführen möchte, muss ich etwas eigenes machen.“ Zunächst richtete sie sich eine kleine Werkbank in der Abstellkammer ihrer Wohnung ein und fertigte Schmuckstücke für Freunde und Bekannte. Dass ein eigenes Atelier entstehen würde, zeichnete sich schnell ab. Ein großer Vorteil: Tabea stammt aus Flingern und ist im Viertel gut vernetzt. Viele Freunde unterstützten sie beim Aufbau, manche wurden ihre ersten Kunden.

„Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns das Wichtigste.“

– Tabea Kamper

Gründung mit viel Einsatz und wenig Kapital

Von Anfang an wollte Tabea ihre Selbstständigkeit möglichst unabhängig aufbauen. Große Kredite nahm sie daher bewusst nicht auf. Zum Start standen gerade einmal 3.000 Euro zur Verfügung. Einen wichtigen Baustein bildete der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Dafür brauchte Tabea einen Businessplan, Planungsrechnungen und die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle. „Nachdem ich mit einer vorherigen Beratung unzufrieden gewesen war, wandte ich mich an die Betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer Düsseldorf. Dort wurden alle für den Zuschuss erforderlichen Unterlagen noch einmal genau geprüft, optimiert und die geforderte Stellungnahme ausgestellt“, berichtet Tabea. Die Arbeit hat sich gelohnt und Tabea erhielt den Gründungszuschuss. Sechs Monate lang wurde ihr Arbeitslosengeld weitergezahlt, zusätzlich erhielt sie einen Zuschuss für Sozialabgaben.

Neues Leben für alte Schmuckstücke

Vieles im Atelier entstand in Eigenarbeit: Werkbänke, Theke und Regale wurden selbst gebaut. Die meisten Werkzeuge hatte sie über die Jahre bereits angeschafft. Schließlich fand sie durch Zufall ein kleines Ladenlokal mit großem Schaufenster in Flingern – bezahlbar und mitten im Viertel. Genau dieses Schaufenster wurde Teil des Konzepts: Passanten können der Goldschmiedin und ihrem Team bei der Arbeit zusehen. „Dass ständig jemand reinschaut und unsere handwerkliche Arbeit beobachtet, finde ich schön“, sagt Tabea und lacht. „Aber man darf nicht zu direkt zurückschauen, dann fühlen sich die Leute ertappt.“



Im Atelier Goldfisch entstehen vor allem individuelle Auftragsarbeiten. Häufig bringen Kundinnen und Kunden Ringe, Ketten oder sogar Uhren mit, die längst nicht mehr getragen werden. Das Material wird eingeschmolzen, neu legiert und zu modernen Schmuckstücken verarbeitet. So entstehen aus alten Erbstücken neue Ringe, Anhänger oder Ohrringe. Auch Reparaturen und Anpassungen gehören zum Alltag in der Werkstatt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beratung. Viel Zeit verbringt Tabea im Gespräch mit ihren Kunden. „Ich habe am Anfang unterschätzt, wie wichtig dieser Teil ist“, sagt sie.

„Man muss sich in die Vorstellungen der Kunden hineinversetzen, emphatisch sein.“

– Tabea Kamper

Ein kleines Team und viel Unterstützung

Unterstützt wird Tabea von ihrem Lebensgefährten Fabian. Anfangs hielt er mit seinem Einkommen dem jungen Unternehmen finanziell den Rücken frei, heute arbeitet er selbst im Betrieb mit. Er kümmert sich um Buchhaltung, Versand und Lieferantenkontakte und packt auch handwerklich mit an. „Quasi das Mädchen für alles“, sagt er schmunzelnd. Seit Dezember gehört außerdem Goldschmiedemeister Uwe zum Team, der selbst viele Jahre selbstständig war. Auch Julian, der Objektdesign an der Hochschule Düsseldorf studiert, arbeitet regelmäßig in der Werkstatt mit.

Ein Atelier, das sich herumspricht

Viel Werbung für ihr Geschäft hat Tabea bis heute nicht gemacht – oder besser gesagt: machen müssen. Die meisten Kundinnen und Kunden kommen über Empfehlungen. „Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns das Wichtigste“, sagt sie. „Manchmal werden wir schon weiterempfohlen, bevor das Schmuckstück überhaupt fertig ist.“ Für Aufmerksamkeit sorgte auch die Eröffnung: Statt einer kleinen Feier veranstaltete das Team ein Straßenfest, von dem die Nachbarschaft heute noch erzählt. Auf die Frage, ob sie den Schritt in die Selbstständigkeit jemals bereut habe, muss Tabea nicht lange überlegen: „Selbstständig zu sein bedeutet für mich, meine Arbeit so organisieren zu können, dass ich für meine Kinder da sein kann und ihnen gerecht werde“, sagt sie. „Wie könnte ich das bereuen?“

„Selbstständigkeit ist für mich Freiheit!“

– Tabea Kamper