Personal gewinnen mit KI

Unter dem Motto „Mehr Zeit für Menschen“ wurde deutlich: KI kann bei der Personalarbeit entlasten, etwa beim Erstellen von Karriereseiten, Stellenanzeigen oder Social-Media-Beiträgen. Sie liefert erste Entwürfe, macht Texte verständlicher und hilft, unterschiedliche Zielgruppen gezielter anzusprechen. Wichtig bleibt aber: Die Inhalte müssen aus dem echten Betriebsalltag kommen. Wer mit „tollem Team“ wirbt, sollte zeigen, was das konkret bedeutet – zum Beispiel durch Einblicke in Projekte, Ausbildung, Arbeitsalltag oder gemeinsame Aktionen.

„Die klassische Google-Suche ist out – Bewerberinnen und Bewerber suchen heute mithilfe der KI nach einem Ausbildungsplatz oder einem neuen Job“, so Sarah Eichhorn, Unternehmensberaterin der Handwerkskammer Düsseldorf. „Wer hierbei gefunden werden will und es schaffen möchte, dass die KI ihn als Arbeitgeber vorschlägt, muss seine Stärken sichtbar machen – im Internet und vor Ort.“



Vom ersten Klick zum ersten Gespräch

Sichtbarkeit beginnt nicht erst bei der Bewerbung. Sie beginnt dort, wo Menschen zum ersten Mal auf einen Betrieb aufmerksam werden: über Instagram, eine Empfehlung, ein Plakat oder sogar einen Bierdeckel mit QR-Code. Entscheidend ist, dass Interessierte danach schnell verstehen: Wer arbeitet hier? Was macht den Betrieb aus? Und wie kann ich unkompliziert Kontakt aufnehmen?

Ein einfacher Test: Geh die Bewerberreise selbst einmal auf dem Smartphone durch. Findest du die Karriereseite? Sind offene Stellen aktuell? Gibt es eine direkte Ansprechperson? Ist der Kontaktweg einfach – oder verlierst du schon nach wenigen Klicks die Lust?

KI nutzen – aber bewusst

KI kann vieles erleichtern, bringt aber auch rechtliche Fragen mit sich. Kenan Tilki von der Creditreform GmbH machte deutlich: Gerade bei personenbezogenen Daten ist Vorsicht gefragt! Betriebe sollten klar festlegen, wofür KI genutzt wird – und wofür nicht. Tilki verdeutlichte dies bildlich: „Wer KI im Betrieb nutzt, zieht in ein Mehrfamilienhaus mit vielen empfindlichen Nachbarn. Jeder Nachbar stellt ein anderes Gesetz dar: Datenschutzrecht, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, Persönlichkeitsrecht, Arbeitsgesetze und viele weitere. Je größer der unangenehme rechtliche Lärm, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Nachbarn plötzlich allesamt an die Tür klopfen.“

Dranbleiben lohnt sich

Dass Sichtbarkeit kein einmaliges Projekt ist, zeigte der auch ehrenamtlich aktive Dachdeckermeister Sebastian Leinung aus Düsseldorf. Sein Betrieb arbeitet seit Jahren an Website, Instagram, Schulaktionen, Ausbildungscamps und Mitarbeiterevents. Genau diese Kontinuität zahlt sich aus.

Der Impuls für deinen Betrieb: Fang klein an. Überarbeite eine Stellenanzeige. Prüfe deine Website aus Bewerbersicht. Zeig einen echten Einblick in den Arbeitsalltag. KI kann dir den Einstieg erleichtern – gute Personalarbeit entsteht aber weiterhin durch Menschen, die zuhören, verlässlich sind und Haltung zeigen.




KI im Handwerk: Weniger Aufwand. Mehr Zeit.

Tobias Vogel, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Düsseldorf, war als Referent vor Ort und teilt im MUTIG-Magazin seine Eindrücke vom Aktionstag: Zwischen inspirierenden Vorträgen, konkreten Praxisbeispielen und offenen Diskussionen wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz längst keine Zukunftsmusik mehr ist – sie entwickelt sich zunehmend zu einem Werkzeug, das Betriebe dabei unterstützt, Zeit zu sparen, Wissen besser zu nutzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Warum KI das Handwerk bewegt

MUTIG: Tobias, welcher Gedanke aus den Vorträgen ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Tobias Vogel: Bereits die Eröffnung machte deutlich, welche Bedeutung das Thema inzwischen für das Handwerk besitzt. Unser Geschäftsführer Prof. Dr. Hennecke stellte nicht nur die Chancen heraus, die sich für einzelne Betriebe ergeben. Er richtete den Blick bewusst auch auf die Handwerksorganisation insgesamt. Künstliche Intelligenz kann dazu beitragen, Wissen besser zugänglich zu machen, Prozesse effizienter zu gestalten und die Handwerksorganisation zukunftsfähig aufzustellen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch ein Gedanke aus dem Impulsvortrag unseres Hauptreferenten, Herrn Land. Er machte deutlich, dass Deutschland gerade aufgrund seiner oft kritisierten Bürokratie über einen enormen Schatz an dokumentiertem Wissen verfügt. Über Jahrzehnte wurden Prozesse, Vorschriften und Erfahrungen umfassend festgehalten. Was bisher häufig als Belastung wahrgenommen wurde, kann durch KI plötzlich zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden. Diese Perspektive fand ich äußerst spannend, weil sie zeigt, wie aus vermeintlichen Schwächen neue Chancen entstehen können.

Vom ersten Prompt bis zum digitalen Assistenten

MUTIG: Du hast selbst praktische Anwendungen vorgestellt. Was hat deiner Einschätzung nach die Teilnehmenden besonders interessiert?

Tobias Vogel: In meinem Vortrag ging es vor allem darum, die Möglichkeiten von KI greifbar und praxisnah zu machen. Viele Betriebe hören derzeit viel über Künstliche Intelligenz, wissen aber oft nicht, wie sie konkret anfangen sollen. Deshalb habe ich gängige Anwendungen vorgestellt, die bereits heute unkompliziert im betrieblichen Alltag eingesetzt werden können – vom gezielten Prompting über die Erstellung von Angeboten und E-Mails bis hin zur Unterstützung bei Recherche- und Dokumentationsaufgaben.

Alle Beispiele bezogen sich direkt auf die tägliche Praxis im Handwerk. So konnte man schnell erkennen, dass KI vor allem dort helfen kann, wo wertvolle Zeit durch Verwaltungsaufgaben, Dokumentation oder Kommunikation gebunden wird. Genau diese nicht produktiven Tätigkeiten lassen sich häufig deutlich reduzieren.

„Vom ersten Prompt bis zum automatisierten Workflow: KI wird dann spannend, wenn sie Büroarbeit reduziert und mehr Zeit für Kunden, Mitarbeitende und das Handwerk schafft.“

– Tobias Vogel, HWK-Berater

Zwischen Neugier und Skepsis

MUTIG: Welche Fragen und Rückmeldungen aus dem Publikum haben dich besonders beschäftigt?

Tobias Vogel: Die abschließende Podiumsdiskussion hat gezeigt, wie intensiv sich viele Betriebe bereits mit dem Thema beschäftigen. Dabei standen nicht nur die Chancen im Mittelpunkt. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um auch kritische Fragen zu stellen. Themen wie Datenschutz, Datensicherheit, Haftung oder die Verlässlichkeit von KI-generierten Ergebnissen wurden offen diskutiert. Gleichzeitig war deutlich zu spüren, dass die meisten Betriebe nicht mehr darüber nachdenken, ob KI relevant wird, sondern vielmehr darüber, wie sie die Technologie sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen können.

Gerade dieser offene Austausch hat den Aktionstag für mich besonders wertvoll gemacht. Es ging nicht um Technik um der Technik willen, sondern um konkrete Lösungen für reale Herausforderungen im betrieblichen Alltag. Beim anschließenden Get-Together wurden die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortgesetzt. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken und zum Austausch eigener Erfahrungen.



MUTIG: Und welches Fazit ziehst du persönlich aus dem Aktionstag?

Tobias Vogel: Mein Eindruck ist eindeutig: Das Interesse an Künstlicher Intelligenz im Handwerk wächst spürbar. Gleichzeitig wünschen sich die Betriebe Orientierung und praxisnahe Unterstützung. Der Aktionstag hat gezeigt, dass KI keine ferne Zukunftstechnologie mehr ist. Sie kann bereits heute dabei helfen, Routinetätigkeiten zu reduzieren, Wissen besser zu nutzen und mehr Zeit für das eigentliche Handwerk zu schaffen. Genau darin liegt aus meiner Sicht das größte Potenzial.